Augensteuerung EyeTrack4All

Augensteuerungssysteme, d. h. die Steuerung von Anwendungen allein über Augenbewegungen, bieten für nicht-sprechende Menschen eine große Chance ihre Kommunikation zu verbessern. Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht sprechen können, nutzen die Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation (UK), um sich auszudrücken. So gibt es beispielsweise dynamische Sprachcomputer mit komplexen Symbol-Vokabularen mit Sprachausgabe. Der Nutzer oder die Nutzerin wählt durch Berührung verschiedene Symbole hintereinander aus und der Computer „spricht“, was er oder sie sagen möchte. Was aber, wenn die Behinderung so komplex ist, dass auch zielgerichtete Bewegungen oder Berührungen nicht oder nur sehr langsam möglich sind?

Für diese Zielgruppe bedeuten Augensteuerungssysteme in Kombination mit dynamischen Kommunikationshilfen überhaupt erst die Möglichkeit einer unabhängigen selbstbestimmten Kommunikation. Mit dem Kooperationsprojekt EyeTrack4All soll die Zielgruppe für augengesteuerte Unterstützte Kommunikation durch die Entwicklung neuer Verfahren für die Blickverfolgung vergrößert werden. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Kooperationspartner, die Alice Salomon Hochschule Berlin, die alea technologies gmbh, das Rehazentrum Hegau Jugendwerk und barrierefrei kommunizieren! bringen jeweils ihre Expertise in das Projekt mit ein.

Bei der Auftaktveranstaltung des auf drei Jahre angelegten Projekts bei barrierefrei kommunizieren! tauschten sich die Kooperationspartner über Ziele und Meilensteine des Projekts aus und diskutierten, was passieren muss, damit noch mehr Menschen von UK in Verbindung mit Augensteuerung profitieren. Christian Hille von zugangswerk Experte für unterstützende Technologien und für barrierefrei kommunizieren! als technischer Berater aktiv, demonstrierte im anschließenden Workshop die vielfältigen Möglichkeiten unterstützender Technologien, der Fokus lag dabei vor allem auf für die Anwender/innen kostengünstigen bzw. -freien Technologien, z. B. Einstellungsmöglichkeiten in Betriebssystemen, Vorlesetechnologien wie Balabolka und DAISY Leser, Spracherkennungsprogramme wie Simon Listens, Mozilla-Plugins für die „mausloses Browsersteuerung“ (mouseless browsing) sowie UK-Apps fürs Tablet.

EyeTrack4All-foto

Weitere Infos und assistiven Technologien – Tipps von Christian Hille, Experte für assistive Technologien vom zugangswerk e. V.

Erleichterte Bedienung in Windows 7 

Eingabehilfen in Apple iOS

Balabolka – Kostenloses Programm zur Sprachausgabe (Text-to-Speech)

DAISY Leser und MAX DAISYPLAYER (kostenloser Hörbuchplayer für Blinde)

Winterfest – kostenloses Alpabetisierungslernspiel

Simon Listens – kostenlose Spracherkennung (Forschungsprojekt)

Ein Handbuch für Abgeordnete zu dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und seinem Fakultativprotokoll

Mouseless Browsing (mauslose Browser-Steuerung) – Firefox AddOn

Sono Flex Lite – App für die Unterstützte Kommunikation von Tobii Technology

WorkRave – kostenloses RSI-Präventions-Programm, das zu Arbeitspausen auffordert

Vortrag zum Thema „Unterstützende Computertechnologien“ im SPZ Neuropädiatrie der Charité

Während eines Vortrags am 18.6.2013 im Hörsaal des SPZ virchow-klinikumNeuropädiatrie der Charité Berlin gab es Gelegenheit, das dortige Team über die vielfältigen Möglichkeiten und Chancen von „Unterstützenden Computertechnologien“ in Bereichen wie Lernen, Förderung oder Kommunikation zu informieren. Im SPZ Neuropädiartie werden mit großen Engagement Kinder und Jugendliche, insbesondere mit Cerbralparesen, Spina bifida, neuromuskulären Erkrankungen und komplexeren Entwicklungsstörungen, multidisziplinär u.a. von Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern, Ergo- und Physiotherpeuten, Logopäden und Heilpädagogen betreut.Anhand von aktuellen Computer-Technologien, wie Eingabehilfen und Alternativen zu Computermaus und Tastatur, professioneller Spracherkennung oder Neurofeedback wurden anschaulich Anwendungsmöglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aufgezeigt und zur Anwendung angeregt.Referent war Christian Hille vom zugangswerk e.V.. Wir bedanken uns herzlich für die Einladung durch Dr. Ulrich Seidel vom SPZ und das große Interesse und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.

„Ein Arbeitsplatz nach Maß“

Die Gesellschaft altert. Schon jetzt sind einige Branchen, insbesondere IT- und techniklastige, vom Fachkräftemangel betroffen. Gleichzeitig fordern – im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention – immer mehr Menschen mit Behinderung ihr Recht auf einen Arbeitsplatz ein. Gerade IT-Berufe bieten für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen grundsätzlich viele Möglichkeiten, da Computerarbeitsplätze gut geeignet sind bei eingeschränkter Mobilität und überdies eine Vielzahl unterstützender Computertechnologien zur Verfügung stehen, welche die verschiedensten Behinderung ausgleichen können.

Aber welche Möglichkeiten gibt es konkret und in der Praxis, behinderungskompatible Arbeitsplätze einzurichten? Dieses Thema stand im Mittelpunkt des 2. Workshops der BITKOM-Initiative „Inklusive IT-Berufe“, der am 23. Mai 2013 bei barrierefrei kommunizieren! in Berlin stattfand. Zielgruppe des Workshops waren Personalverantwortliche, Diversity Manager, Ausbilder/innen und Auszubildende aus dem IT-Bereich.

Uta Menges, Diversity and Inclusion Leader von IBM, erklärte anschaulich an verschiedenen Beispielen, wie das Unternehmen vorgeht, um Studierende mit Behinderung beim dualen Studium zu unterstützen. Weitere praktische Beispiele aus Unternehmen lieferte die Deutsche Rentenversicherung Bund. Welche Strukturen innerhalb des Unternehmens gibt es, um Auszubildenden mit Behinderung eine Ausbildung zu ermöglichen? So verfügt die Rentenversicherung selbst über einige unterstützende Computertechnologien, so dass Auszubildende vor Ort einiges erproben können. Cordula Polle vom Technischen Beratungsdienst des Landesamts für Gesundheit und Soziales Berlin erklärte die Möglichkeiten des Integrationsamts zur Unterstützung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Zum Beispiel bietet das Integrationsamt Bürobesuche an, um zu überlegen, mit welchen einfachen Mitteln sich Büros übersichtlicher einrichten und besser an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen lassen. Gleichzeitig kann so festgestellt werden, welche ergonomischen oder technischen Hilfen jemand konkret an seinem bzw. ihrem Arbeitsplatz benötigt.

Abschließend demonstrierte Christian Hille, Technischer Berater vom zugangswerk e. V., welche unterstützenden Technologien für welche Behinderungen es gibt. Zum Beispiel Spezialtastaturen und Spracherkennungssysteme für Menschen mit motorischen Einschränkungen, Vergrößerungstechnologien, Lesegeräte und Screenreader für Menschen mit Sehbehinderungen sowie weitere Eingabehilfen und alternative Zugangstechnologien für Computer und Internet.

Workshop zu assistiven Computertechnologien beim British Council

Am 13.12.2012 führte „zugangswerk e.V.“ einen Workshop zu Workshop British Councilassistiven Computertechnologien im Rahmen der „Team Building Week“ des British Council Germany durch. Schwerpunkt der jährlich in Berlin am Alexanderplatz stattfindenden Veranstaltung war das Thema „Gleichstellung und Vielfalt“. Als Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“ fühlt sich der British Council diesem Thema inhaltlich tief verbunden. Dies spiegelt sich auch in der Arbeit des British Council bei Projekten in den Bereichen Kulturförderung und Bildung wider.Inhalt des Workshops waren der behinderungskompensierende Einsatz von Alltagstechnologien und deren Einsatz sowie unterstützende Computertechnologien.

workshopChristian Hille vom „zugangswerk e.V.“ stellte eine Auswahl des breiten Spektrums an Technik vor. Die Teilnehmer konnten sehr interessante Technologien wie eine Augen- und Gedankensteuerung oder eine Mundmaus ausprobieren. Sebastian Andres stellte Lösungen für die Probleme sehbehinderter und blinder Menschen vor. Als Betroffener konnte er am Beispiel iPhone und iBook überzeugend darstellen, wie assistive Technologien als Gebrauchsgegenstände im Alltag Einzug halten.

Die Verwendung von professioneller Spracherkennungssoftware als Kommunikationshilfe demonstrierten zwei Schriftdolmetscherinnen von „Hörsicht“. Anette Kemnitz-Zimmermann und Babette Kemnitz-Hille wandelten alles, was gesprochen wurde, in Text um, der auf eine Leinwand gebeamt wurde. Einige Teilnehmer des Workshops wurden mit Hilfe eines Gehörschutzes künstlich vertäubt, sie „mussten“ den gesprochenen Inhalten in Schriftform verfolgen und konnten auf diese Weise eine hochgradige Schwerhörigkeit nachempfinden.

Für die Mitarbeiter des British Council war der Workshop eine sehr interessante Erfahrung und eine Erweiterung des Wissens zum Thema assistive Technologien.

Behindertenrechtskonvention

Das 2006 von der UNO-Generalversammlung in New York verabschiedete und 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (auch: Behindertenrechtskonvention, BRK) ist ein von 128 Staaten und der EU durch Ratifizierung, Beitritt oder (im Fall der EU) formale Bestätigung abgeschlossener völkerrechtlicher Vertrag, der Menschenrechte für die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert, um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe bzw. Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Im Übereinkommen finden sich neben grundlegenden Teilen der allgemeinen Menschenrechte, wie z. B. dem Recht auf Leben oder dem Recht auf Freizügigkeit, viele spezielle Bestimmungen, die auf die Lebenssituation behinderter Menschen eingehen.
(Quelle: wikipedia)

Behindertenrechtskonvention als PDF bei www.behindertenbeauftragter.de

Informationen zur Behindertenrechtskonvention beim Deutschen Institut für Menschenrechte e. V.